Permafrost und Diekmoor
Text und Fotos: Tine Brandt
August 2025
Während der Permafrost in der Arktis schmilzt und die Erde sich immer schneller erwärmt, redeten Bezirksabgeordnete in der Kümmelstraße am 10.7. 25 ungeniert von der Vernichtung und Zerstörung der letzten großen Grünfläche in Hamburg-Nord. Das Diekmoor ist Landschaftsschutzgebiet. Trotzdem hören wir Timo Kranz (Grüne) jammern, weil mit dem von der SPD, CDU, FDP Koalition beantragten neuen B-Plan 40 Wohnungen weniger im Diekmoor gebaut werden sollen. Statt 740 sollen es jetzt 700 werden. Langenhorn staunt: Sollten es nicht immer 700 sein? So etwas nennt man „Gigakoalition“.
Während Timo Kranz noch schluchzt, weil nun 12 Schrebergärten und damit Milliarden Lebewesen überleben (Spinnen, Würmer, Käfer, Vögel, Mäuse – igitt), bezeichnet Herr Albers (SPD) die Weisung als demokratisch legitimiert. Herr Hosemann (die Linke) musste das stark zurückweisen: Demokratisch wäre gewesen, die Bürgerinitiative mit ihren 8.000 Unterschriften anzunehmen und sich wirklich mit den Wähler:innen zu unterhalten!
Herr Diekow (FDP) ist mit seiner Partei umgeschwenkt (ist ja traditionell die Schwankpartei) und pünktlich nach der Wahl für die Bebauung des Diekmoors! Zwei Blöcke sollen auf die (dann ehemaligen) Gewerbeflächen am Eingang zum Diekmoor! Und was wäre eine Kleinstpartei ohne Klotzen: 10 oder 12 Stockwerke soll die Elphi-Konkurrenz schon haben! „Das macht ja gar keinen Unterschied“ jubelt er – die Kaltluft, die in der Stadt so dringend gebraucht wird, kommt da schon rüber. Wie das wehen soll? Schulterzucken.
Dabei steht in der Klimaanalyse der Stadt Hamburg: Kalte Luft entsteht nur und ausschließlich in grünen Senken mit niedrigem Bewuchs (wie im Diekmoor). Kalte Luft steigt nicht über Gebäude, die höher als DREI Stockwerke sind. Auf Seite 46 wird gewarnt: Eine stärkere Erwärmung der Stadt ist zu vermeiden! Das könnte durch die Freihaltung großräumiger, möglichst wasserversorgter und durch flache Vegetation geprägter Grünflächen, wie Wiesen, Felder und KLEINGÄRTEN erreicht werden 🐸 Genau das ist das Diekmoor! Diese Fläche muss unbedingt erhalten werden!
Weiter steht in der Klimaanalyse auf Seite 35: Das günstige Bioklima ist zu sichern. Ziel sollte es sein: Grünflächen in Hamburg zu retten!
Aber im Bezirksamt Nord sind fast alle Parteien blind und taub – oder sie haben das Klimagutachten nicht gelesen! Der Bericht betrifft ja auch nur die (sehr nahe) Zukunft unserer Stadt…
Herr Wersich (CDU) macht den einzigen wirklich naturverbessernden Vorschlag. Vielleicht sollte man (wer?) das Diekmoor renaturieren und ein Moor wie in Eppendorf daraus machen. Nur zu – Herr Wersichs Einsatz ist mehr als dringend erforderlich. Während Herr Talleur (Volt) immerhin Bauchschmerzen hat, was eine Bebauung betrifft, quatschen Frau Winter (SPD) und Frau Günther (SPD) miteinander. Zuhören will gewollt sein.
Herr Hosemann (die Linke) erwähnt die Umbauordnung der Architects4future, die 10 Punkte für ein anderes – nachhaltigeres Bauen im Rathaus vorgelegt haben!!! Darauf reagiert niemand.
Während der Hamburger Senat in den letzten sechs Jahren 14 qkm Grünflächen in Hamburg versiegelt hat (Quelle: https://correctiv.org/aktuelles/2024/10/01/zwischen-asphalt-und-beton-versiegelung-deutscher-staedte-nimmt-zu/), möchten 28% der Hamburger:innen viel lieber ins Grüne ziehen. (Quelle: Umfrage NDR). Sie wollen flüchten vor Beton, Hitze, Abgasen – und werden das tun, sobald sie können (Homeoffice macht vieles möglich).
SPD, CDU und FDP in HH Nord berufen sich auf das „Höhere Recht auf Wohnen“. Das wurde neulich im Eilverfahren in die Hamburger Verfassung gequetscht. Im Volksmund heißt es: Baggerschutzverordnung. Wir Bürgerinnen berufen uns auf das mindestens genauso wichtige „Höhere Recht auf Klimaschutz“. Denn was nützt uns eine Wohnung, in der wir ersticken?
Eins ist klar: Die zusätzlichen Hitzetoten sind uns NICHT egal! Der Antrag für den neuen B-Plan wurde trotz allem von der neuen Koalition angenommen. Wahlversprechen sind eben auch nur Versprecher. Die ersten Prüfer:innen sind bereits im Gelände unterwegs, und wir müssen damit rechnen, dass hier Tempo gemacht wird!
Viele Gutachten fehlen noch:
- Bodenfunktionsbewertung
- Grunstücksentwässerungsplanung
- Starkregenereignisse der Zukunft
Das Diekmmoor beherbergt unzählige Tiere, Pflanzen und Bodenorganismen!
Darum sagen wir: Diekmoor bleibt, solange wir dafür kämpfen. Jeder Mann, jede Frau, Diverse und Kinder zählen in diesem Kampf.
Egal was ihr tut, tut es!!
Es ist das Richtige und es ist mutig.



Wer hätte das gedacht: wir haben es in Hamburg mit stolzen Dilettanten zu tun, die als Feierabend-Parlament Weichen stellen dürfen. Dabei könnte gerade die unterste politische Ebene – der Bezirk – vor demokratischer Lebendigkeit nur so strotzen, und dadurch ein gesundes Rückgrat unserer Verfassung garantieren. Aber nö, Vernunft ist nur das, was als Weisung von oben kommt. Sehr bequem: keine Ahnung, keine Verantwortung, keine Traute. Der Bürger fasst sich an den Kopf und sagt: die machen doch sowieso was sie wollen, und es klingt wie: „Demokratie“ ist nur noch der Mantel, darunter steckt die Fremdherrschaft. Hoffnungsloser geht’s nicht.
Wie mir scheint, muss den Bezirksabgeordneten nicht nur beigebracht werden, mit welcher Materie sie es zu tun haben, sondern auch, welche wichtige und einzigartige Funktion sie als Schnittstelle zwischen Leben und Verwaltung haben. Damit sie aus dem Sumpf ihres Funktionärsdaseins herauskommen.
Tine, solidarische Grüße aus dem WIW. Würden in deinem Bericht die Namen der CDUSPSFDPs ausgewechselt, könnte es auch eine Beschreibung aus dem Bezirk-Mitte sein. Wir sind bei EUCH!
Hi
Bei uns wollen Sie im Vorgriff auf den B-Plan schon mal 800 qm Wald umholzen – eine Firma benötigt mehr Platz!
LG HORST