Plüschtiere gefährden heimische Artenvielfalt
Text und Fotos: Sabine Kofahl
August 2025
Die neuen Beschlüsse der Bezirksversammlung Hamburg-Nord zur geplanten Bebauung des Diekmoores.
Timo Kranz, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bezirksversammlung Hamburg Nord, kommentierte das Ergebnis der neuen Bauplanung im Diekmoor so: „Als Wildkatze gesprungen und als Plüschtier gelandet!“
Man muss dem Mann Recht geben, ehrlicherweise aber hinzufügen: Die grünen Plüschtiere sind nach der letzten Bezirkswahl einfach nur ausgetauscht worden. Jetzt sitzen eben schwarz-rot-gelbe im Regal und gucken stumm und reglos mit ihren glänzenden Glasaugen auf das Publikum, das nur noch hilflos den Kopf schüttelt.
Aber von vorn. Die neu gebildete Koalition aus SPD, CDU und FDP hatte im April 2025 die Verwaltung aufgefordert „…für das Bauvorhaben Diekmoor (…) mehr Rücksicht auf Umwelt- und Klimaschutzbelange (zu nehmen…). Die Bebauung mit teilweise höherer Geschossigkeit als im Siegerentwurf vorgesehen soll sich im Schwerpunkt auf ein Areal entlang des Bahndamms sowie der südlichen Flächen in der Nähe (des) Park+Ride-Parkplatzes konzentrieren.“
Anstatt auf die ökologisch katastrophale Bebauung im Diekmoor zu verzichten, war die Idee nun, an der Bahn höher zu bauen und dafür mehr Kleingärten zu erhalten. Es wurde verhandelt und verhandelt. Und dann stand fest: Ganze 38 Wohnungen weniger im Diekmoor wollen SPD, CDU und FDP nun bauen. Also 662 Wohnungen? Nein! 700 Wohnungen – wie es immer gewünscht war. Die Grünen haben den neuen Koalitionsbären 38 Wohnungen „geschenkt“, die sie angeblich auch noch bauen wollten und die jetzt wegfallen werden. So sorgt man für existenziellen Streit im Plüschregal.
Ganze 12 zuvor verplante Kleingärten sollen erhalten bleiben. Ich bin sicher, die dankbare Langenhorner Bevölkerung stellt diese Oasen im Schlagschatten der Hochhäuser ihren führenden Bezirkspolitikerinnen und -politikern als Naherholungsgebiet zur Verfügung. Was jetzt noch fehlt, ist der knuddelige Nachwuchs-Politiker, der dem Volk die grandiose Neuplanung als „Dutzendwumms“ für Stadtnatur und Klimaschutz verkauft.
Und was hat sich im Bauplan verändert? Zurzeit ist ein Baufeld weniger vorgesehen. Dafür soll das Ganze in die Höhe gestreckt werden – nach dem Motto: Lieber lang als dick. Wie die Kaltluft da noch rüber soll? Kein Problem – sagt die FDP – die steigt da rüber, die verwegene Kaltluft. Die macht das wie ein Heißluftballon, nur irgendwie umgekehrt oder so… (Physikunterricht ist mir auch nicht leicht gefallen…). Nur das mit den zwölf Stockwerken wird wohl nicht klappen – der Hamburger Flughafen ist eine solche Behinderung nicht gewohnt und die wird man ihm nicht zumuten.
Naja, dann schiebt man die Gebäude eben noch ein bisschen näher zusammen – kuschelig, wie Plüschtiere so sind. Die geplanten Gebäude rücken den wertvollen alten Stieleichen entlang des Wegs 396 zwar ziemlich auf die Rinde, aber wie bei vielen anderen Themen guckt man auch dort lieber nicht so genau hin.
Es fehlen weiterhin Gutachten zu den Themen:
- Bodenfunktionsbewertung
- Grundstücksentwässerungsplanung
- Starkregenereignisse der Gegenwart und Zukunft
- Kaltluftentstehung und -weiterleitung im Diekmoor
- Erwärmung der näheren und weiteren Umgebung durch die Bebauung
Angekündigt hat die FDP in ihrer Veranstaltung zum Diekmoor am 09. Juli immerhin ein „Rammgutachten“. Vielleicht fragen Sie „Ihren“ Bezirksabgeordneten mal, was das ist? Und wenn Sie schon dabei sind, könnten Sie doch auch nachfragen, was gemeint ist, wenn SPD, CDU und FDP finden, „insbesondere bei den größeren Neubauvorhaben ist dabei aber auch auf einen akzeptablen ökologischen Fußabdruck zu achten“ (so steht es im gemeinsamen Beschlussantrag der drei Parteien bezüglich der Diekmoorplanung vom April an den Bezirk).
Wenn man bedenkt, dass
- die Stadt Hamburg in den letzten sechs Jahren mehr als 12.000 Wohnungen in Ferienwohnungen umgewandelt hat
- es 750.000 Airbnb Übernachtungen in Hamburg im Jahr 2023 gegeben hat
- über 600.000 qm Bürofläche in der Stadt leer stehen – Tendenz steigend
klingt das mit dem ökologischen Fußabdruck im Neubau doch ziemlich plüschig.
Die Antworten (und Nicht-Antworten) Ihres Bezirksabgeordneten interessieren uns sehr – schicken Sie sie uns gern.
Sabine Kofahl
SPD Hamburg-Nord
Bergkoppelweg 6
22335 Hamburg
CDU Hamburg-Nord
Leinpfad 74
22299 Hamburg
FDP Hamburg-Nord
Hopfenmarkt 31
20457 Hamburg
Auf Seite 10 finden Sie den neuen Entwurf des Bezirksamtes zur Bauplanung.



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