Lore Heering, 19.07.2021

Das Landschaftsschutzgebiet Diekmoor

Neben der Funktion als Grünachse und klimatische Ausgleichsfläche für eine dicht versiegelte und bebaute Stadt erfüllt das Diekmoor eine Reihe weiterer wichtiger Funktionen, die im Zuge des Klimawandels stetig an Bedeutung gewinnen. Von Bedeutung sind z. B. die Grünflächen für die Naherholung der Menschen, die Restmoorflächen und Feuchtwiesen. Zudem stellen sie einen Lebensraum für unter Schutz stehende Tiere und Pflanzen dar.

Im Diekmoor findet sich eine große Vielfalt an Ökosystemen in einem Verbund: Moorflächen, gesetzlich geschützte Biotope (Bornbach, Rückhaltebecken), Feuchtwiesen, Waldgebiete und Kleingärten. Lebensraum für Fledermäuse, Wildbienen, Wildvögel wie den Mäusebussard oder Eisvogel, Füchse, Rehe, Libellen, Springfrösche usw.

Mit seinen alten Baumbeständen und Pflanzen gilt das Landschaftsschutzgebiet als „bioklimatischer Entlastungsraum und Kalt-/Frischluftschneise“. Dies war für den seinerzeitigen Bebauungsplan Langenhorn 72 (Diekmoorweg) von großer Relevanz und ist damit auch für den Erhalt der Gesundheit aller Hamburger-/innen bedeutend.

Die Moorflächen sind in ihrer Größe und Torfdicke unterschiedlich. Die größere der Moorflächen misst 0,8 ha. Danach folgt am Bornbach eine Fläche von 0,5 ha. In unmittelbarer „Nachbarschaft“ befinden sich die Feuchtwiesen. Weitere kleinere Moorflächen finden sich zerstreut in der Nähe des Rückhaltebeckens. Die Torfdicke der offenen Moore liegt zwischen 0,2 und 0,7 m, mit einem CO2 Speicher von >180 Tonnen. Eine Absenkung des Grundwasserspiegels oder eine Versiegelung des Gebiets wäre ein gravierender Eingriff in den Wasserhaushalt und in das gesamte Ökosystem und ginge vermutlich auch zu Lasten der Moorflächen und Feuchtwiesen.

Die Biotope – Lebensraum für viele Tiere und Organismen, aber auch ein „Wanderweg“ für Wildtiere quer vom Raakmoor, durch das Diekmoor, weiter zum Rothsteinsmoor, Richtung Flughafen. Ein Trittsteinbiotop für Tieren und Pflanzen. Dies gilt auch für die seit über 80 Jahren „gewachsene“ Kleingartenanlage. Naturgärten und alte Obstbaumbestände machen sie besonders wertvoll als Lebensraum und Nahrungsquelle für Insekten, für deren Vielfalt sie stehen, während öffentliche Grünflächen kein gutes Beispiel für Biodiversität darstellen und häufig auch keine entsprechende Pflege erhalten. Zusätzlich dienen die im Frühjahr gefluteten Kleingärten als Versickerungsflächen für immer häufiger auftretende Regenmassen.

Die derzeit geplante Bebauung einer Fläche von mindestens 16 ha für etwa 700 Wohnungen mit der großen Anzahl von ca. 2000 Menschen könnte im Umkehrschluss zusammengefasst bedeuten:

  • Zerstörung des „Bioklimatischen Entlastungsraums und der Kalt-/Frischluftschneise“ für die Stadt Hamburg
  • Veränderung des Wasserhaushalts (Absenkung Grundwasserspiegel)
  • Rodung sämtlicher Kleingärten zwecks Räumung bzw. Nachverdichtung
  • Erwärmung und Verschmutzung des Bornbachs und des Rückhaltebeckens (Biotop) mit allen Konsequenzen für Tiere und Organismen
  • Überschwemmungen mangels Versickerungsmöglichkeiten
  • Lichtverschmutzung, in deren Folge ein Rückgang der Fledermäuse und Insekten
  • Reduzierung von Freiflächen und damit Reduzierung von Lebensräumen für Wildtiere und deren „Wegemöglichkeiten“ innerhalb des Biotopverbunds
  • Verlust von Biodiversität
  • Nahrungsmangel für Vögel und Insekten, dementsprechend Rückgang der Arten
  • Verschlechterung der Luftqualität durch mehr Verkehrsaufkommen und Bodenozon
  • Erhöhung der Lärmbelastung
  • Erhöhung des Besucherdrucks auf verbleibende Naturflächen

Diese Karte zeigt unser „aller“ Diekmoor, der dazugehörige Text die Wichtigkeit des Landschaftsschutzgebietes und die mit der geplanten Bebauung einhergehenden möglichen Konsequenzen. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, das Diekmoor als großflächigen, unzerschnittenen Landschaftsraum zu erhalten, indem z. B. die Bebauung von leerstehenden, versiegelten Gewerbeflächen die bisherige „Fehlplanung“ ersetzt.

Rettet das Diekmoor!

4 Kommentare
  1. Petra Osinski DrPH sagte:

    Ich habe gerade noch einmal auf https://www.statistik-nord.de/fileadmin/Dokumente/Statistische_Berichte/andere_statistiken/A_V_1_H_gebiet_flaeche/A_V_1_j19_HH.pdf Bodenflächen in Hamburg nach Nutzungsart Jahresende 2019 nachgesehen.
    Dort findet sich: im Bezirk Hamburg-Nord nehmen Siedlungs- und Verkehrsflächen insgesamt 94 Prozent der Bodenflächen ein, Vegetation und Gewässer nur je drei Prozent. Da muss man doch unbedingt zusehen, ob und wie die Vegetationsfläche noch verkleinert werden kann!

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    • Christina sagte:

      und die Niedersachsen haben 2020 beschlossen, ihre bereits bestehenden Moorschutzprogramme, zu beschleunigen.
      Gerade gestern noch lief im NDR der Beitrag „Mehr Hitzetage und Extremwetter mit Starkregen“, indem auf die Hochwassergefahr in stark versiegelten Gebieten hingewiesen wurde. In Bad Oldesloe ist deshalb ein großes Moorgebiet renaturiert worden…
      Zahlreiche Bundesländer haben offensichtlich verstanden, dass nur intakte Moore effektive CO₂ Speicher und Wasserfilter sind.
      Und Hamburg? Wer sich ein Bild machen möchte, kann sich den NDR-Fernsehbeitrag „Moor in Hamburg zerstört. Ärger um DHL…“ ansehen. Einfach den Titel in die Suchmaske eingeben.

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  2. Christina sagte:

    Herzlichen Dank für diese zutreffende Kurzzusammenfassung der vielfältigen Funktionen der unterschiedlichen Ökosysteme des Diekmoors.
    In anderen Bundesländern, z.B.im CSU geführten Bayern, werden Moore schon seit Jahren, wegen ihrer Fähigkeiten CO₂ zu speichern, aber auch wegen ihrer hohen Wasserfilterleistungen (Hochwasserschutz!) renaturiert und erweitert!

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