Das Auftaktforum am 17. Mai 2022 war der Beginn der „Bürgerbeteiligung“ für die „Rahmenplanung Diekmoor“.

Ein erster Auftakt!

Das Auftaktforum in der Stadtteilschule Heidberg war der Beginn der Bürgerbeteiligung für die „Rahmenplanung Diekmoor“. Wie berichtet, sollen im Bezirk Hamburg-Nord im derzeitigen Landschaftsschutzgebiet Diekmoor mindestens 700 Wohnungen entstehen.

Überplant werden 63 ha, wobei innerhalb dieser Fläche 16 ha für das neue Quartier zur Verfügung stehen sollten, zwischenzeitlich sind daraus allerdings bereits 25 ha geworden.

Am 17. Mai wurden zunächst die grundsätzlichen Planungen präsentiert.

Interessierte mussten sich im Vorfeld online für die Veranstaltung anmelden.

Trotz des vorhersehbaren großen Interesses wurde anstelle der großen Dreifeldhalle die wesentlich kleinere Aula der Stadtteilschule Heidberg als Veranstaltungsort ausgewählt. Lediglich 150 Plätze waren zu vergeben. In Langenhorn leben über 45.000 Menschen, die direkt oder indirekt von der Bebauung des Diekmoor betroffen wären. Dementsprechend waren diese wenigen Plätze dann auch schnell vergeben. Als Ersatz gab es die Möglichkeit, die Veranstaltung live auf YouTube zu verfolgen, hier allerdings ohne die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Insgesamt wurde diese Vorgehensweise mit Corona-Maßnahmen begründet. Aus unserer Sicht befremdlich, da in direkter Nachbarschaft eine Halle zur Verfügung stand, in der durchaus coronakonform bis zu 1000 Bürger*innen Platz gefunden hätten.

Nach bereits bekannten Sätzen seitens des Bezirksamtsleiters Werner-Boelz hinsichtlich der letzten großen „Potenzialfläche“ Diekmoor für Wohnungsbau, wurde vom Unternehmen TOLLERORT eingehend auf das neue Format der Bürgerbeteiligung nach dem Zufallsprinzip eingegangen. Angeschrieben wurden hierfür 2000 Bürger*innen aus dem Bezirk Nord, wobei es nach unseren Informationen teilweise zu verspäteten Posteingängen mit leider bereits abgelaufenen Anmeldefristen kam. Aus den dennoch zahlreichen Rückmeldungen wurde schließlich eine kleine Gruppe von 17 Personen ausgelost. Dazu kommen mit jeweils einem „Platz“ benachbarte bzw. betroffene Vereine und Initiativen, wie z.B. der Langenhorner Bürger- und Heimatverein usw. Insgesamt wurden hier ebenfalls 17 Plätze vergeben. Am Veranstaltungsabend wurden 5 weitere Plätze für interessierte Bürger*innen und/oder SAGA-Bewohner*innen angeboten. Somit besteht die Bürgerbeteiligung innerhalb der 2 geplanten Werkstatttermine aus 39 Bürger*innen.  Dabei begleitet werden diese durch 6 Planer*innen/Moderatoren. Inwieweit Vorschläge dieser ausgewählten Bürger*innen in den Plänen Berücksichtigung finden – offen. Der erste Werkstatttermin soll am 14.  Juni stattfinden, ebenfalls für Juni wurde die Möglichkeit einer Online-Beteiligung angekündigt. Danach erfolgt die Ausarbeitung der Varianten und im September die Zwischenpräsentation und die 2. Werkstatt. Danach ist die zweite Online-Beteiligung vorgesehen – laut Webseite des Bezirksamtes ebenfalls im September. Daran wird sich die Ausarbeitung einer Vorzugsvariante anschließen, die dann im Februar 2023 vorgestellt werden soll. Nach diesen eingehenden Erklärungen wird schnell deutlich, dass es bei der Bürgereinbindung nicht mehr darum geht, ob gebaut wird oder nicht. Angesichts des als ökologisch wertvoll eingestuften Landschaftsschutzgebietes aus unserer Sicht befremdlich. Abgeschlossene Gutachten in wichtigen Bereichen, wie z. B. Starkregengefährdungsanalyse, Wasserwirtschaftliche Analyse, Baumkartierung, Kartierung Flora und Fauna, Bodengutachten usw. liegen bisher nicht vor bzw. müssen teilweise erst noch beauftragt werden. In diesem Format wird nur noch ausgelotet, ob hohe oder niedrigere Gebäude (mehr Versiegelung) in das Feuchtgebiet gestellt werden sollen.

So wurde der Plan der Bebauung dann auch vorgestellt.

Bereits die Rahmenplanung inklusive der Bürgerbeteiligung nach dem Zufallsprinzip und der bisher beauftragten Gutachten für das Landschaftsschutzgebiet werden laut einer Schriftlichen kleinen Anfrage bereits Kosten von etwa 350.000 € verursachen. Für die Planungs- und Beratungsleistungen des Städtebaus wurden die Unternehmen FRANK Entwicklung Stadt und Land GmbH in Kooperation mit planquadrat beauftragt, des Weiteren wurden BIERBAUM.AICHELE Landschaftsarchitekten, d+p dänekamp und Partner beauftragt. Seit zwei Jahren wird seitens des Bezirks bereits an den Plänen für das Diekmoor gearbeitet, mit den Bürger*innen wurde bis zum 17.5.2022 nicht gesprochen – eine frühzeitige Bürgerbeteiligung sieht anders aus.

Während der Veranstaltung wurde durch Behördenvertreter von etwa 700 Wohneinheiten gesprochen. Diese Aussage stellte sich im Laufe des Abends als falsch heraus, die gezeigten Unterlagen – überwiegend leider schwer lesbare Folien – sehen eindeutig eine Bebauung mit mindestens 700 Wohneinheiten vor. Auch zeigte sich, dass das Gebiet die Planer*innen vor hohe Herausforderungen stellen wird: Moorflächen, Waldgebiete, Biotope, Feuchtwiesen, Torfböden unterhalb der Kleingärten, hohe Grundwasserstände, Versickerungsfläche für Starkregen, Kaltluftentstehungsgebiet, wertvolle Flora und Fauna, Ausgleichsflächen, Mülldeponien. Auswirkungen für die Erwärmung der Innenstadt: Noch offen, Gutachten nicht vorhanden. All dies könnte theoretisch und praktisch bedeuten: Dieses Gebiet ist für Wohnungsbau nicht geeignet, Alternativen in Form von bereits versiegelten Flächen sollten anstelle dessen genutzt werden. All dies könnte zusätzlich bedeuten: Ein sehr teures Bauvorhaben. Wie sich unter diesen Rahmenbedingungen die grundsätzlich geplante Vergabe in Erbpacht und der Anteil von 60 % geförderten Wohnraum realisieren lassen, bleibt auch im Hinblick auf Fachkräfte- und Baustoffmangel mindestens zweifelhaft.

Nach der Vorstellung der Baupläne, durften dann auch Fragen gestellt werden.

Eine Stunde hatten die Hamburger*innen Zeit dafür. Schnell wurde deutlich, dass die Anwesenden zu großer Mehrheit gegen die Bebauung einer unversiegelten Natur mit Gärten waren. Mit klugen Wortbeiträgen ließen sie die Politik wissen, dass sie für den Erhalt von Grünflächen, für Biodiversität und für Lebensqualität in ihrer Stadt sind. Viele Wortbeiträge beschrieben die Notwendigkeit, anders zu bauen. Für das Klima und für die Einhaltung der 1,5 Grad Grenze sei es unerlässlich, die Grünflächen der Stadt zu erhalten und auf bereits versiegelte Flächen zu bauen. Im Bestand zu sanieren, um so bezahlbaren Wohnraum zu erhalten.

„In sieben Jahren möchte ich vielleicht daran denken, mal Kinder zu bekommen. Aber dann werden wir das Ziel von einer Erderwärmung um 1,5 Grad erreicht haben. Dass zu wissen und jetzt zu sagen: ‚Wir reißen ein Naturschutzgebiet (Landschaftsschutzgebiet, Anm. Redaktion) ab, um da Wohnungen hinzubauen‘, finde ich so eine Frechheit“, sagte die Tischler*innen-Auszubildende Gesa Marieke Biehl (20) und fügte an: „Ich würde mich schämen, wenn ich diejenige gewesen wäre, die das beschlossen hätte. Meine Generation und ich müssen ausbaden, was Sie für uns verkacken.“

Mit all diesen wunderbaren Wortbeiträgen „störten“ die Anwesenden Wähler*innen die Informationsveranstaltung zur Bebauung eines weiteren Landschaftsschutzgebietes in Hamburg und machten es zu einem Informationsaustausch der Menschen dieser Stadt.

Damit Grünflächen in Hamburg dieser „Bauwut“ nicht mehr zum Opfer fallen ist die Volksinitiative Rettet-Hamburgs-Gruen.de gegründet worden.

Für September werden für die 2. Stufe noch 1001 Sammler*in gesucht. Meldet Euch dafür an und sammelt jeweils 80 Stimmen. Erhaltet und schafft biodiversen Lebensraum: Bautätigkeiten gehen oft mit einem enormen Flächenverbrauch einher, wodurch wertvolle Lebensräume der Tier- und Pflanzenwelt zerstört werden. Versiegelte Flächen verlieren zudem den Nutzen zur Nahrungsproduktion, Naherholung und Regenwasserversickerung. Verantwortungsvolles Planen kann die Zerstörung von Naturräumen nicht nur mindern, sondern bietet auch das Potential, die Artenvielfalt und gesunden Lebensraum zu fördern. #architects4future

Text: Christine Brandt, Lore Heering

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