Langenhorner Rundschau, April.2022

Keine Versiegelung! oder: Wir müssen die Bauwut stoppen!

von Thomas Kegat

[…] Wir treffen uns an der kleinen Brücke östlich des Rückhaltebeckens im Diekmoor. Noch ist das Wetter februargrau. Aber in der Luft liegt schon ein Hauch Frühling. Christine Brandt und Michael Heering stehen bereit, und wir starten sofort unseren Spaziergang. „Rettet das Diekmoor“ ist ihr Motto, und so entschlossen, wie sie beim Spaziergang in den Tritt kommen, so haben sie sich auch organisiert und engagiert: Sie kämpfen mit ihrer Bürgerinitative und zahlreichen Unterstützern gegen die vom Hamburger Senat vorgesehene Bebauung und „Restrukturierung“ eines Großteils der Kleingärten, Koppeln und Spazierwege im Gebiet zwischen Foorthkamp, Oehleckerring, Neubergerweg und U-Bahndamm. „Ich habe es aus dem Fernsehen erfahren!“ berichtet Christine Brandt, und noch immer, über ein Jahr später, schwingt eine tiefe Enttäuschung mit.“ […]

[…]„Es geht schon längst nicht mehr allein um den Erhalt des eigenen Kleingartens“, stellt Brandt entschieden fest. „Wir haben Klimawandel, wir haben Flächenfraß und wir sollten uns bei jeder geplanten Versiegelung Gedanken machen, ob das nicht auch anders geht.“ Für Wohnungsbau müsse man in Hamburg nicht auf Landschaftsschutzgebiete zurückgreifen, sondern könne bereits bebaute Flächen besser ausnutzen. Das sei essenziell für die Lebensqualität in unserer Stadt. „Das Diekmoor ist bei Starkregen ein riesiger Schwamm und entlastet die umliegenden Wohn- und Gewerbegebiete. An trockenen Tagen wird die Feuchtigkeit dann langsam wieder abgegeben, sehr wichtig fürs Mikroklima“, erklärt Heering. Und sofort fügt Christine Brandt hinzu: „Es geht auch um Temperaturausgleich. Damit die Großstädte (Asphalt, Beton, hohe Bevölkerungsdichte, viel Verkehr) im Sommer nicht überhitzen, braucht es Zonen, in denen sich Kaltluft bilden kann.“ Deswegen ist Christine Brandt entschieden gegen weitere Versiegelung von Grünflächen durch bauwillige Politiker. „Wir müssen die Bauwut stoppen!“ Sie ist ausdrücklich nicht grundsätzlich gegen neue Wohnbebauung in Hamburg, verweist in dieser Frage aber z.B. auf kreative und engagierte Lösungsvorschläge der „Architects for Future“. „Ich glaube, der Bezirk will vor allem deshalb hier bauen lassen, weil der Stadt die Flächen gehören und es darum schön einfach für die Planer ist, viele Wohneinheiten zu platzieren.“ […]

[…]Zusammen mit den verbündeten Bürgerinitiativen strebt „Rettet das Diekmoor“ nun ein Volksbegehren an mit dem Aufruf „Rettet Hamburgs Grün – Klimaschutz jetzt!“ Die erste Hürde dafür haben sie bereits überwunden. „Wir haben14.293 Unterschriften gesammelt. Voraussichtlich im September geht es dann um die nächste Stufe. 65.000 Hamburgerinnen und Hamburger müssen dann innerhalb von nur drei Wochen unterschreiben“. Michael Heering blickt auf das Rückhaltebecken, in dem sich die Sonne spiegelt. „Wir bekommen sehr viel Zuspruch. Das schaffen wir.“

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